Keine Jahreszeit in Indien hat so viel inspiriert wie Sawan. Dieser Monsunmonat, der im Juli beginnt und bis in den August hineinreicht, ist seit weit über tausend Jahren eine Muse für Dichter, Filmemacher, klassische Musiker und Maler. Seine Wirkung auf die indische Vorstellungskraft zeigt keine Anzeichen des Nachlassens.
Kalidasa schrieb den Monsun in das Fundament der Sanskrit-Literatur ein. In Meghaduta bittet ein verbannter Geist eine vorbeiziehende Regenwolke, eine Botschaft der Sehnsucht zu seiner Geliebten zu tragen: der Monsun als Bote, als Metapher, als die einzige Kraft, die stark genug ist, die Entfernung zwischen zwei Menschen zu überbrücken. Jahrhunderte später fand dieselbe Emotion ihren Weg in die Baramasa-Tradition, in der der Monat Sawan den besonderen Schmerz der Trennung verkörperte.
Bollywood erbte all dies. Rim Jhim Gire Sawan, Sawan Ka Mahina, Barsaat. Regen und Romantik wurden auf der Leinwand untrennbar miteinander verbunden. In der klassischen Musik hielten der Raga Malhar und die Kajri-Volkslieder aus dem östlichen Uttar Pradesh diese Tradition in der Aufführung lebendig.
Letztlich ist Sawan nicht nur eine Jahreszeit. Es ist der Moment, in dem Indien nach innen blickt und alles auf einmal empfindet.