In den Himalaya-Bergen Nepals vergeht die Zeit nicht einfach nur, sondern wird geehrt. Sonam Lhosar markiert das Neujahrsfest der Tamang- und Hyolmo-Gemeinschaften, das auf dem alten Mondkalender basiert und von der jahrhundertealten tibetisch-buddhistischen Philosophie geprägt ist.
Das Wort „Lho” bedeutet „Jahr”, „Sar” bedeutet „neu”, doch bei Sonam Lhosar geht es nicht nur um Neuanfänge. Es geht um die Ausrichtung: auf die Natur, auf spirituelle Zyklen und auf das Gedächtnis der Vorfahren.
Historisch gesehen hat das Fest seinen Ursprung im tibetischen Tierkreiszeichen-System, in dem jedes Jahr von einem von zwölf Tieren beherrscht wird, von denen man glaubt, dass sie das Temperament, das Glück und den kosmischen Rhythmus beeinflussen. Im Jahr 2026 begrüßt Sonam Lhosar das Jahr des Pferdes, ein Symbol für Energie, Freiheit und Vorwärtsbewegung, das Glück für Reisen, Mut und neue Unternehmungen verspricht.
Die Feierlichkeiten beginnen mit Reinigungsritualen in Klöstern, wo Gebete für Frieden und das gemeinsame Wohlergehen gesprochen werden. Die Häuser werden gereinigt, Gebetsfahnen erneuert und Familienaltäre mit Opfergaben geschmückt. Traditionelle Gerichte wie Khaps (frittiertes Gebäck), Fleischeintöpfe und Buttertee sorgen für Wärme und Nahrung während der Feierlichkeiten.
Musik und Tanz erwecken das Fest zum Leben. Der Tamang Selo, der zum Rhythmus der Damphu-Trommel aufgeführt wird, erzählt Geschichten von Migration, Widerstandsfähigkeit und Harmonie mit den Bergen. Die Kleidung ist zeremoniell, mit reich gewebten Gewändern, die mit Silberschmuck verziert sind, wobei jedes Stück die Abstammung und den Stolz widerspiegelt.
Sonam Lhosar erinnert uns daran, dass ein neues Jahr kein Datum ist, sondern ein Versprechen, das von Absichten geprägt ist.