Lange bevor es Kühlung gab, hatte Indien das Problem des Sommers bereits gelöst. In seinen Städten, Dörfern und bäuerlichen Gemeinschaften entstand über Jahrhunderte hinweg eine stille Tradition kühlender Getränke, jedes verwurzelt in lokalen Zutaten, praktischem Wissen und den besonderen Bedürfnissen des Landes.
Shikanji ist vielleicht das universellste von ihnen: eine gewürzte Limonade, verfeinert mit schwarzem Salz, geröstetem Kreuzkümmel und Minze, die in Nordindien seit Menschengedenken ein fester Bestandteil der Mittagszeit ist. Jaljeera geht noch einen Schritt weiter und verbindet Kreuzkümmel, Minze und schwarzen Pfeffer zu etwas, das ebenso als Verdauungstonikum wie als Durstlöscher dient.
Sattu Sharbat, hergestellt aus geröstetem Kichererbsenmehl, erzählt eine ganz andere Geschichte. In Bihar und Uttar Pradesh verlassen sich Bauern seit Jahrhunderten darauf, um lange Tage unter einer erbarmungslosen Sonne durchzuhalten.
Aam Panna, hergestellt aus rohem Mangomark, Jaggery und geröstetem Kreuzkümmel, wurde einst von Soldaten und Königen wegen seiner Fähigkeit geschätzt, Hitzschlag vorzubeugen. Und aus dem Stammesgebiet Tripuras kommt Chuak, ein sanft fermentiertes Reisbier, das von Gemeinschaft, Gastfreundschaft und einer ganz anderen Art von Sommer erzählt.
Jedes dieser Getränke ist auf seine eigene Weise ein kleines Stück indischer Geschichte. Am besten genießt man sie kalt, und am besten versteht man sie als Beweis dafür, dass Notwendigkeit schon immer die inspirierteste Köchin dieses Landes war.