Vor mehr als fünftausend Jahren schien sich in einer Gefängniszelle in Mathura selbst der Himmel mit dem Schicksal zu verbünden. Donner rollte, Regen fiel in Strömen, und der Yamuna schwoll an, als wolle er sich dem Kind nähern, das kurz vor seiner Geburt stand. Um Mitternacht wurde Krishna geboren, der achte Avatar Vishnus, gesandt, um eine Welt zu erlösen, die unter der Tyrannei zusammenbrach. Sein Vater Vasudev, von einer unsichtbaren Hand geführt, trug ihn durch den überfluteten Fluss in die Sicherheit von Gokul. Aus dieser einzigen, vom Sturm erhellten Nacht entstand eine der beständigsten Geschichten Indiens.
Janmashtami erinnert an diesen Moment seiner Geburt. Die Tempel bleiben bis nach Mitternacht wach, Wiegen werden in stiller Andacht geschaukelt, und in den Küchen entstehen Süßigkeiten als Opfergaben für den geliebten Makhan Chor. In Mathura und Vrindavan, den Städten seiner Kindheit, verwandeln sich die Straßen in lebendige Bühnen: Beim Dahi Handi bilden Menschen hohe Pyramiden, um hoch aufgehängte Töpfe mit Joghurt zu zerschlagen, während Raas-Leela-Aufführungen sein Leben durch Tanz und Gesang bis tief in die Nacht erzählen. Auch in Nepal hallen in den Tempeln Bhajans wider, begleitet von stiller Festlichkeit.
Für Reisende bietet Janmashtami etwas Seltenes: die Gelegenheit zu erleben, wie eine ganze Region innehält, nach innen blickt und das Göttliche feiert, als wäre es erst gestern geboren worden.